Das goldene und das silberne Kind
(afrikanisches Märchen)
Niame, der mächtigste Hexenmeister lebte auf einem Bauernhof, der auf einem
sanften Wolkenteppich lag. An einem schönen Tag entschied er sich zu heiraten.
Er befahl den vier schönstens Frauen des Dorfes zu ihm zu kommen und fragte jede
von ihnen: "Was würdest Du für mich tun, wenn ich Dich zur Frau nähme? "
Die erste, die Acoco hieß sagte: "Ich würde den Fußboden kehren und auf das Haus
aufpassen".
Die zweite sagte: "Ich würde für Dich jeden Tag etwas ganz besonders kochen".
Die dritte sagte: "Ich würde Dir Berge von Baumwolle spinnen und täglich
frisches Wasser vom Brunnen holen.".
Die vierten sagte: "Ich würde Dir einen goldenen Sohn geben."
Natürlich, wählte Niame die letzte Frau und befahl, mit den Vorbereitungen zur
Hochzeit zu beginnen.
Acoco war überhaupt nicht mit dieser Entscheidung einverstanden: Sie war
neidisch und eifersüchtig. Trotzdem versteckte sie sich ihre kleinlichen Gefühle
und wurde Dienerin der Braut. Das Ehepaar lebte glücklich und der goldene Sohn
hatte schon eine Wiege, die auf ihn wartete, als Niame eines Tages zu einem
seiner Besitztümer reisen musste. Und als Niame noch unterwegs war, brachte die
Königin Zwillings auf die Welt: ein goldenes und ein silbernes Kind.
Während die Königin schlief, nahm Acoco die Zwillinge, schloss sie in einem
Strohkörbchen ein und flüchtete mit ihnen zum Wald. Dort versteckte sie den Korb
in dem Loch eines Baumstammes. In der Wiege legte sie statt der Kinder zwei
Frösche. Als Niame zurück kam, rannte Acoco zu ihm und sagte: "Beeilen Sie sich.
Schauen Sie ihre Kinder an!" Niame beeilte sich, aber als er in der Wiege solch
hässliche Tiere sah, war er sehr enttäuschst. Er befahl, Frösche zu beseitigen
und schickte die Königin ins Exil auf eine Hütte am Ende seines Königreiches.
Zum Glück wurden die Kinder von einem Jäger gerettet, der das Körbchen im Loch
des Baumstammes fand. Der Jäger öffnete das Körbchen und bewunderte die
zauberhaften Kinder. Er war sehr arm, trotzdem nahm er die Kinder mit nach Hause
und zog sie auf, ohne jemandem zu sagen, wo er die Kinder gefunden hatte.
Die Zwillinge wuchsen und waren gesund und stark. Sie hatten einen guten
Charakter und waren sehr geschickt. Als der Jäger Geld brauchte, nahm er
goldenes und silbernes Pulver, dass ständig von den Kindern herab fiel. Dann
ging er zur Stadt und kaufte dort alles was er brauchte. Langsam wurde er reich
und zog in einen größeren Bauernhof.
Eines Tages erfuhr er zufällig, dass es die Kinder Söhne des Königs waren. Trotz
großer Traurigkeit, entschiedet er sich, die Kinder zu ihrem Vater zu bringen.
Als er zum Hof des Königs kam, rief er ihn und sagte: " Schauen Sie mal welche
Übungen, die dieses silberne Kind machen kann!" Niame bewunderte die
Geschicklichkeit des Jungen.
Währen das Kind turnte, sang das goldene Kind mit seiner wunderschönen Stimme
und erzählte seine eigene Geschichte: Das Versprechen seiner Mutter, die böse
Acoco und der guter Jäger, der auf sie als seine eigenen Kinder annahm.
Niame war erstaunt und erschüttert. Er umarmte die Kinder, befahl, seine Frau
aus dem Exil zurückzuholen und wies die Sklavinen an, sich die Haare zu kämmen
und ihr Festtagsgewand anzuziehen.
Danach suchte er Acoco, verwandelte sie in ein Huhn und stieß es zur Erde. Zum
Schluss lobte er den Jäger und gab ihm Geschenke. Bis heute baden sich die Söhne
Niames in dem großen Fluss, der als Wasserfall zur Erde fließt. Und so gelangt
auch ein bisschen vom ihren goldenen und silbernen Pulver zu uns, und wer das
Glück hat, es zu finden wird reich werden.