19a. Der Erdrutsch im Müllerswald
Zahlreiche Sagen und Legenden umranken das heutige Schenkenzell. Einige Geschichten sind bekannt, wie etwa die Sage des Wustlegeistes, die sogar durch die Fasnetsfigur lebendig gehalten wird. Andere werden noch immer von Generation zu Generation mündlich überliefert. Viel zu viele Geschehnisse sind vermutlich für immer entschwunden. Im Müllerswald erinnert ein Bildstöckle an ein grausames Unglück. Früher stand das Bildstöckle weiter oben am Berg, 1987 wurde es restauriert und weiter unten an der Straße platziert - damit es besser gesehen wird und erinnert.
Es geschah am 23. März 1730 gegen die Mittagsstunde am Nordhang des Hochberges auf etwa 717 Meter. Dort hatte sich in den Buntsandsteinschichten ein Erdrutsch gelöst und raste auf einen großen Doppelhof zu. Ort des Geschehens war etwa in der Mitte der heutigen beiden Müllerswald-Bauernhöfe. Bewohnt wurde er bis dato von zwei Brüdern und ihren Familien, doch der Erdrutsch riss den Doppelhof in die Tiefe. Erst im Tal kam die Lawine, vermutlich ausgelöst durch das Tauwetter, zum Stehen. Noch heute birgt sie die Trümmer des Hofes, ist Grab für die Leichen von elf Menschen.
Die Männer des Hofes überlebten, da sie zur Zeit des Unglücks im nahen Wald arbeiteten. Auf das laute Krachen und Bersten eilten sie her, doch ihre Frauen und Kinder lagen unter dem Schlammstrom begraben. Nur ein kleines Kind entging wie durch ein Wunder dem Tod und konnte aus den Schutthaufen gerettet werden. Bis heute ist die Erdrutschschneise erkennbar. Bei Sprengarbeiten vor ein paar Jahren kamen sogar alte Töpfe und Haushaltsgeräte zum Vorschein.
Was veranlasste Augustinus Armbruster, ein Nachfahre der Brüder, dazu dieses Bildstöckle nach immerhin 105 Jahren aufzustellen? Wohl um zu erinnern. Um das Unglück nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.
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Der Bildstock, steinerner Zeuge der Vergangenheit, erinnert:
"Im Jahr 1730 d(en) 23t. Maerz ist ein groses Unglik durch einen Erdenbruch en(t)standen welche hier an deesem Wohnorte 11 Paersohnen (Personen) um das Leben gekomen sind. Ein jeder durchgehender Christ bitte Gott er wolle uns vor solchen Unglik gnaediglich bewahren. Gestifdet durch Augustinus Armbruster Uhrenmacher im Jahr 1835".