19. Die Geisterhochzeit bei Schramberg
In den Waldbergen bei Schramberg waren einmal mehrere Holzmacher im Walde
beschäftigt. Als es dämmerte, beschlossen sie, nicht nach Hause zu gehen,
sondern im Walde zu übernachten. Nicht weit weg von der Straße nach Winzeln
entfachten sie ein Feuer, um sich zu wärmen und etwas zu kochen. Beim
Nachschüren ging einer der Holzhauer hin und legte Holz kreuzweise über das
Feuer, damit sie Schutz hätten gegen den bösen Feind.
Wie es nun Mitternacht wurde, vernahmen die Männer ein fürchterliches Getöse und
ein Geschrei die Schiltacher Straße heraufkommen. Es war grausig anzuhören und
kam immer näher. Auf einmal sahen sie einen Brautzug, den sechs schwarze Katzen
zogen.
Auf dem Brautwagen saßen die Brautleute, die Näherin und die
Köchin; die letztere war nackt, wie der liebe Gott sie geschaffen hatte. Sie
trug einen kupfernen Kessel auf dem Kopf und hatte einen Bund Kochlöffel in der
Hand. Damit klapperte und winkte sie den Holzmachern zu. Diese sahen einander
bleich an, als der Zug vorüber fuhr. Aber keiner sagte ein Sterbendwörtchen.
Später erfuhren sie vom Geistlichen auf dem Sulgen, dass alle verloren gewesen
wären, wenn auch nur einer sich unterstanden hätte, ein Wort zu sprechen.