15. Das versunkene Schloss im Widechen
Einst waren die Silbergruben im Wittichertal wegen ihres gewaltigen Reichtums an
edlen Erzen weithin berühmt. Die Hauptadern liefen im Böckelsbach, einem kleinen
Waldtal, das sich westlich des Klosters öffnet, durch den Silberberg hindurch,
auf dessen Höhe ehemals eine Burg stand, von der heute nur noch ein spärlicher
Wall und Graben zu finden sind. Die Burgherren aber waren steinreiche Herren,
die nach Gott und der Welt nichts fragten und einen frevelhaften Lebenswandel
führten. Unzählige Flüche und Verwünschungen der geplagten Bevölkerung hafteten
an ihrem Leben, doch, von einem außergewöhnlichen Glück begünstigt, konnten sie
sich über alles hinwegsetzen. Aber auch ihr Maß wurde voll:
In einer grausigen Sturmnacht stürzten Schächte und Stollen im Innern des Silberberges zusammen und rissen die Burg auf dessen Scheitel mit Mann und Maus in die Tiefe, wo sie im Bergesinnern spurlos verschwand. Ihr Name sowie der des sündhaften Geschlechts aber blieben für immer verschollen. Nur die alte Burguhr blieb erhalten und hat die Zeiten überdauert. In bestimmten Nächten soll man auf der Höhe des Silberberges ihr Ticken aus der Tiefe heraufschallen hören.