11. Der Burggeist der Schenkenburg


Um den Fluss des Schlossberges zog einst nur ein schmales Pfädchen hart am Ufer der Kinzig entlang. Dieses wurde viel von den Flößern begangen, die zum Schenkenzeller Weiher mussten, wo die Flöße eingebunden wurden. Diesen Pfad machte der Burggeist besonders nach dem abendlichen Betzeitläuten unsicher. Wer um diese Zeit hier noch unterwegs war, konnte plötzlich hinter sich den schweren Schritt eines Mannes hören. Schaute er sich dann um, wer da kommen möchte, so geriet er in die Gewalt des Burggeistes. Die Schenkenburg, Sitz des Hermannus Pincerna
Zur Strafe für seine Neugier musste er alsdann den schweren Mann auf die Schulter nehmen und ihn durch die Kinzig hinüber ans andere Ufer tragen. Dort saß an einem alten Flößerwehr der ewige Fischer mit der Angelrute, mit dem der Burggeist bis um Mitternacht gerne Zwiesprache hielt. Sobald vom nahen Schenkenzeller Kirchturm die Uhr die zwölfte Stunde schlug, verschwand der Spuk. So trieb es der Schlossgeist lange Zeit, und niemand getraute sich mehr, abends den Pfad am Schlossberg entlangzugehen, obwohl der Geist nie jemand ein Leid zugefügt hatte. Eines Nachts wurde dieser von einem Pater in einen hohen Baum gebannt, und seither wurde es still auf dem schmalen Flößerpfad, den man nun unbehelligt begehen konnte. Auch der ewige Fischer wurde seither nie mehr gesehen.