6. Der Kegelriss
Durch das kleine Tälchen der Bech getrennt, liegt südlich vom Fräulinsberg der
Kegelriss. Drüben überm Kinzigtal ragt beim Geleckle der steile Bergkegel, das "Schlössle"
genannt, auf. Dort hauste einst in einer halb zerfallenen Burg ein verrohtes
Brüderpaar. Oft lagen sie unten an der Talstraße in einem Hinterhalt und
überfielen dort der arglosen Wanderer, um ihn auszuplündern und ihr elendes
Spiel mit ihm zu treiben. Sie schleppten dann ihre Opfer mit hinauf auf die
einsame Höhe, den Kegelriss. Dort wurden sie bei lebendigem Leibe bis an den
Hals in den Boden eingegraben, und nun begannen die entmenschten Burschen mit
schweren, steinernen Kugeln ein wüstes Kegelschieben nach ihren Opfern, denen
der Tod eine gütige Erlösung war. Das Volk aber gab dieser furchtbaren Stätte
den denkwürdigen Namen Kegelriss.