4. Der Geisterreigen auf dem Hohberg
Südlich des Dorfes Schenkenzell erhebt sich der 540 Meter hohe Hohberg. Seinen
Scheitel ziert ein mächtiges Steinkreuz, das im Jahre 1717 der ehemalige
Dorfmüller hierher setzen ließ. Der Volksmund nennt es das "Steini Kriz". Bei
ihm stoßen zahlreiche Grundstücke zusammen, wie die auf der Sockelplatte
eingehauenen Kerben zeigen.
Die zahlreichen Teilhaber am Hohberg nahmen es früher mit der Einhaltung der
festgesetzten Grenzen nicht so genau. Feld- und Bodenraub waren an der
Tagesordnung. Um den ewigen, dadurch heraufbeschworenen Streitereien ein Ende zu
machen, beschlossen sie, in einer Zusammenkunft die Grenzen genau festzulegen.
Man kam überein, stellte einen Lageplan auf, und jeder sollte sich durch Eid zur
Einhaltung der nunmehr bestimmten Grenzen verpflichten. Alle waren dazu bereit
bis auf einen, der verließ verärgert die Versammlung, vergaß aber, seinen Hut
mitzunehmen. Der Vertrag unter den Grundstückseigentümern am Hohberg kam aber
doch zustande, wurde doch beschworen und wieder nicht gehalten. Zur Strafe für
ihren Eidbruch müssen nun alle geistern und führen nächtlicherweise einen Reigen
um das "Steini Kriz" auf. Dabei dient ihnen der Hut ihres fehlenden Teilhabers
als Spielball, den sie sich gegenseitig, wohl zur Vertreibung der Langeweile,
zuwerfen.