3. Die Frevler

Jahrhunderte sind vergangen. Noch waren die Fluren durch eine genaue Feldvermessung nicht sorgfältig aufgenommen und kartiert, da versuchten manches Mal habgierige Menschen, ihre Nachbarn um Teile ihres Grundstücks und Boden durch Versetzen der Lochsteine zu betrügen. Allenthalben stößt man auf die mannigfaltigsten Erzählungen über diese Frevler, die nun ihre einstige Schuld durch Geistern sühnen müssen.

In der Töß, oberhalb von Schenkenzell, muss ein solcher Geist allnächtlich zwischen 12 und 1 Uhr ein schweres Fass im Abstand der von ihm einst versetzten Lochsteine im Felde hin und her rollen, und obgleich der arme Sünder unter seiner harten Arbeit stöhnt und ächzt, es wird ihm keine Ruhe gegönnt, bis die Glocke vom nahen Schenkenzeller Kirchturm das Ende der Geisterstunde verkündet.

Auch in der Wideme, dem Gewann am Fuße des Hochberges zwischen Grubersgrund und Schenkenzell, ist es des öfteren nicht geheuer. Manche Leute wollen dort schon zu mitternächtlicher Stunde einen Mann gesehen haben, der mit einem schweren Lochenstein auf den Schultern wie besessen zwischen zwei ganz bestimmten Punkten auf dem Felde herumirrt. Ein schwach leuchtendes Lichtlein, das er bei sich trägt, hat auch ihm die einstige Markungsgrenze noch nicht zeigen können, und so sucht er noch heute unverdrossen weiter und sühnt seine alte Schuld.