2. Der Schlossschatz der Schenkenburg
Längst war die Schenkenburg in Schutt und Asche gesunken. Wo ehedem frohes
Ritterleben herrschte, breitete sich zwischen Ginster und Heidekraut ein mageres
Weideland aus. Einst hüteten zwei Schenkenzeller Bauern auf dem Schlossberg ihr
Vieh. Der eine, der ein Sonntagskind war, sah plötzlich einen alten,
weißhaarigen Mann auf sich zukommen, der ihn aufforderte, mit ihm in die
Burgruine zu gehen. Dort führte der Alte, welcher der Burggeist der Schenkenburg
war, den Bauern vor eine schwere, eiserne Türe, welche dieser, obwohl er hier
sehr ortskundig war, zuvor noch nie gesehen hatte. Mit einem großen Schlüssel
öffnete der Geist die Türe, und sie standen am Anfang eines langen, gewölbten
Ganges. Durch diesen gelangten sie zu einer zweiten Türe, die ebenfalls geöffnet
wurde. Sie kamen jetzt in einen gewölbten Raum, in dem neben allerlei altem
Geräte auch eine alte Kiste stand. Der Alte hieß den Bauern den Deckel der
truhenartigen Kiste zurückschlagen. Vor den Augen des erstaunten Mannes zeigte
sich die Truhe fast bis zum Rande mit alten Goldmünzen gefüllt. Der Geist
forderte nun den Bauern auf, er möchte von dem Gelde soviel mitnehmen, als er
wolle. In falscher Bescheidenheit suchte er aber nur einige schöne Stücke
heraus, damit der Geist nicht meine, er sei habgierig. Dieser erkannte jedoch
die Hintergedanken seines Begleiters, denn dieser wollte, da er jetzt doch nicht
alles Gold mitnehmen konnte, später wiederkehren und den ganzen Schatz heben.
Nachdem der Bauer erklärt hatte, nun genügend Reichtum zu besitzen, gingen sie
auf dem gleichen Wege wieder ins Freie zurück. Sorgfältig wurden die Türen
verschlossen, und sogleich war der Geist verschwunden. Zum Schrecken des Bauern
war jedoch von der eisernen Türe keine Spur mehr zu sehen, und trotz eifrigem
Suchen konnte sie auch nie wieder gefunden werden.