16  Eingriffliger Weißdorn - Crataegus monogyna
Zweigriffliger Weißdorn - Crataegus laevigata
Rosengewächse - Rosaceae
 

Die volkstümlichen Namen bei uns sind Hagedorn, Mehlbeere, Heckendorn und Zaundorn. Der botanische Name kommt aus dem Griechischen: "krato" bedeutet Kraft, "oxys" spitz und "akantha" Dorn. Der Standort des Weißdorns sind lichte Gebüsche und Feldhecken, wo er bis zu acht Meter hoch werden kann.

Oft wird er als Rohbodenfestiger entlang von Straßen gepflanzt, eignet sich aber auch als Zierstrauch, wo er als rotblühende, gefüllte Zuchtsorte angepflanzt wird. Sehr gern wächst der Weißdorn auf Kalkböden, die am besten tiefgründig sein sollten. Seine Doldenrispen mit ein- bzw. zweigriffligen Blüten stehen auf dem dreijährigen oder älteren Holz. jeder Imker hat schon in der Zeit von Mai bis Juni den leicht ranzigen Duft des blühenden Weißdorn gerochen. Die typische weiße Rosenblüte mit den fünf Blütenblättern bringt viel Nektar und dunklen Blütenstaub. Entsprechend gut ist der Besuch durch die Bienen. Der Weißdorn ist ein Rosengewächs mit sehr hartem und zähem Holz. Er hat richtige Dornen, die sich ähnlich wie beim Schwarzdorn, der Schlehe, aus Seitentrieben bilden, also Dornen, die direkt aus dem Holz herauswachsen. Dagegen haben unsere Gartenrosen eigentlich nur Stachel, die in der Rinde entstehen.

Beim eingriffligen Weißdorn sind die Blätter tief geteilt, die Blüten sitzen auf behaarten Stielen und die rötlichen Früchte enthalten jeweils einen Steinkern. Beim zweigriffligen Weißdorn sind die Blätter in der vorderen Hälfte drei- bis fünflappig, die Blütenstiele kahl und es gibt zwei Steine je Frucht. Die Früchte sind zwar essbar, schmecken aber nicht gut. Zwischen beiden Arten gibt es Bastarde. Sehr beliebt ist der Weißdorn bei den Singvögeln, die in dem sperrigen Gezweig gern ihre Nester bauen. Und wenn wir in der Zeit Mai bis Juni Blüten und Blätter ernten, können wir die Zweige einfach abschneiden und unter dem Strauch auf einen Haufen schichten. So schaffen wir Nistplätze für Vogelarten, die lieber am Boden brüten. Denn für die Vögel etwas tun ist praktischer Umweltschutz. Immerhin braucht ein Vogelpaar für sich und die Brut etwa 35 kg Nahrung, davon sind im Schnitt 25 kg Schädlinge. Rotschwänzchen und Rotkehlchen sind am nützlichsten, der Sperling ist nicht ganz so fleißig. Blüten und Blätter vom Weißdorn geerntet in der Blütezeit können frisch oder getrocknet für einen blutdrucksenkenden Tee verwendet werden, der einen schwach bitteren Geschmack hat. Die im September reifen Früchte, werden meist zu Tinktur verarbeitet. Weißdorn erweitert die Herzkranzgefäße, die beste Arznei aus der Natur für das Altersherz!

Und noch etwas: In der Blütezeit finden unsere Bienen jeden noch so kleinen Weißdornstrauch, doch wie oft gehen wir achtlos an den auch für uns so wertvollen Büschen vorbei!


Text:
Friedrich Schmidtke
Gärtnermeister
Schiltach

Veröffentlicht in: Allgemeine Deutsche Imkerzeitung (ADIZ), 30. Jahrgang, 1996, Heft 6, Seite 30