15 Taubnessel
Weiße Taubnessel - Lamium album
Lippenblütler - Labiatae
 
Wer als Kind noch nie die Blüten der Taubnesseln abgezupft und den Nektar "herausgeschlotzt" hat, der hat schon viel in seinem Leben versäumt. Der Blütengeruch lockt schon von weitem die Bienen zum "Bienensaug", wie die Taubnesseln auch genannt werden. Ihren Beinamen "Nessel" bekamen sie wegen ihrer Ähnlichkeit mit der Brenn-Nessel. Doch Brennhaare haben sie keine!

Die Weiße Taubnessel (Lamium album) ist in ganz Europa und Nordasien verbreitet und absolut winterhart. Sie liebt Kalkboden, wächst aber auch auf trockenen sauren Böden. Sie gedeiht an mageren Stellen, auf Ödland, auf Schuttplätzen, am Wegrand, an Böschungen und auch unter Zäunen. Wichtig ist, dass nicht gemäht wird. Früher wurden die jungen Triebe gern als Gemüse gegessen. Als Staude wachsen aus den unterirdisch kriechenden, mehrfach verzweigten Wurzeln die 20 bis 40 cm langen vierkantigen, blütentragenden Stengel. Die Blüten stehen als Scheinquirl über jedem der kreuzweise gegenständigen, behaarten Blattpaare. Wie bei allen Lippenblütlern stellt das untere Blütenblatt einen idealen Anflugplatz für Bienen und andere Insekten dar. Ein Haarring im Blütenhals schützt den Nektar, Blütezeit ist von Mai bis September. Welche Pflanze bietet schon fast ein halbes Jahr Nektar?
 
Eine andere Art ist die Goldnessel (Lamium galeobdolon) mit ihren leuchtend goldgelben Blüten. Die herzförmigen Blätter sind silbrig gefleckt. Sie wird oft als bodendeckende Zierpflanze für steile Böschungen verwendet. Sie blüht von April bis Juli durchgehend und verträgt auch Schatten.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Eine dritte Art ist die Gefleckte Taubnessel (Lamium maculatum) mit ihren 2 bis 3 cm langen purpurroten Blüten mit der dunkel gefleckten Unterlippe. Blütezeit ist April bis September. Sie wächst in lichten Wäldern, unter Hecken. gern an einem feuchteren und kühleren Platz.

 
 
 
 
 
Die früher oft vorkommende einjährige Rote Taubnessel (Lamium purpureum) ist durch Herbizide im Hackfruchtanbau weitgehend verschwunden. Teilweise taucht sie bei Flächenstilllegungen wieder auf, da noch Samen in der Erde ruhen.
 

 

Alle vier Taubnesselarten sind Nektar und Pollenquellen für unsere Bienen, wobei Hummeln und Schmetterlinge mit ihren längeren Rüsseln noch besser an den tiefliegenden Nektar gelangen.

Die Weiße Taubnessel wird als Heilpflanze genutzt. Sie enthält Gerb- und Schleimstoffe, Cholin, Saponine und nur wenig ätherische Öle. Man sammelt die Triebspitzen mit den blühenden Blattquirlen, streift Blätter und Blüten ab und trocknet sie. Taubnesseltee ist gut für die Blutreinigung, hilft bei saurem Aufstoßen und wirkt harntreibend. Bei Erkältungen eignet er sich zum Gurgeln.


Text:
Friedrich Schmidtke
Gärtnermeister
Schiltach

Veröffentlicht in: Allgemeine Deutsche Imkerzeitung (ADIZ), 31. Jahrgang, 1997, Heft 5, Seite 30