Wer
als Kind noch nie die Blüten der Taubnesseln abgezupft und den Nektar
"herausgeschlotzt" hat, der hat schon viel in seinem Leben versäumt. Der
Blütengeruch lockt schon von weitem die Bienen zum "Bienensaug", wie die
Taubnesseln auch genannt werden. Ihren Beinamen "Nessel" bekamen sie wegen
ihrer Ähnlichkeit mit der Brenn-Nessel. Doch Brennhaare haben sie keine!
Eine
andere Art ist die Goldnessel (Lamium galeobdolon) mit ihren leuchtend
goldgelben Blüten. Die herzförmigen Blätter sind silbrig gefleckt. Sie wird
oft als bodendeckende Zierpflanze für steile Böschungen verwendet. Sie blüht
von April bis Juli durchgehend und verträgt auch Schatten.
Eine
dritte Art ist die Gefleckte Taubnessel (Lamium maculatum) mit ihren 2 bis 3
cm langen purpurroten Blüten mit der dunkel gefleckten Unterlippe. Blütezeit
ist April bis September. Sie wächst in lichten Wäldern, unter Hecken. gern
an einem feuchteren und kühleren Platz.
Die
früher oft vorkommende einjährige Rote Taubnessel (Lamium purpureum) ist
durch Herbizide im Hackfruchtanbau weitgehend verschwunden. Teilweise taucht
sie bei Flächenstilllegungen wieder auf, da noch Samen in der Erde ruhen.
Alle vier
Taubnesselarten sind Nektar und Pollenquellen für unsere Bienen, wobei Hummeln
und Schmetterlinge mit ihren längeren Rüsseln noch besser an den tiefliegenden
Nektar gelangen.
Die Weiße Taubnessel wird als Heilpflanze genutzt. Sie enthält Gerb- und
Schleimstoffe, Cholin, Saponine und nur wenig ätherische Öle. Man sammelt die
Triebspitzen mit den blühenden Blattquirlen, streift Blätter und Blüten ab und
trocknet sie. Taubnesseltee ist gut für die Blutreinigung, hilft bei saurem
Aufstoßen und wirkt harntreibend. Bei Erkältungen eignet er sich zum Gurgeln.
Text:
Friedrich Schmidtke
Gärtnermeister
Schiltach
Veröffentlicht in: Allgemeine Deutsche Imkerzeitung (ADIZ), 31. Jahrgang, 1997,
Heft 5, Seite 30