13 Wasserdost
Eupatorium cannabinum
Korbblüter, Compositae

Reichlicher Nektarfluss aus Röhrenblüten
Wasserdost ist eine in ganz Europa, Kleinasien und Nordafrika verbreitete Staude, die im Volksmund auch als "Kunigundenkraut" oder "Hirschklee" betitelt wird. Letzteres, weil angeschossenes Wild dies Kraut frisst, um sich damit zu heilen. Weiterhin ist die Bezeichnung "Wasserhanf" gebräuchlich, weil seine Blätter an Hanfblätter erinnern - worauf auch sein lateinischer Name hindeutet. Im warmen Kuba wächst ein naher Verwandter, der Gewürzgebende Wasserdost, Eupatorium aromaticans, der dem dort angebauten Tabak einen würzigen Duft für die berühmten Havannazigarren verleihen soll. Der Wohlriechende Wasserdost, Eupatorium odoratum, gedeiht dagegen in ganz Westindien.



Er liebt die Nässe
Unser Wasserdost trägt seinen Namen zu Recht, er ist ein Feuchtigkeitsanzeiger und liebt nährstoffreiche, kalkhaltige Standorte. Deshalb findet man die bis 1,5 Meter hohe Pflanze entlang von Bächen, in Auwäldern und Kahlschlägen, an Gräben und auf feuchten Wiesen. Wasserdost wächst auch noch sehr gut im Halbschatten am Waldrand oder an einem Waldweg. Im Gegensatz zu Goldrute und Balsamine weitet sich der Wasserdost nicht hemmungslos aus, hält dafür jede Böschung und verhindert so die Erosion an neu gebauten Wegen.

Nektar und Pollen werden geboten
Die aufrechten Stängel sind rötlich oder braunrot verfärbt und verzweigen sich erst im oberen Bereich. Die kurzstieligen gegenständigen Blätter sind 3- bis 5-fach gespalten und die Ränder roh gezähnt und leicht wollig. Bei diesem Korbblütler stehen nur vier bis fünf einzelne Blüten zu einen Köpfchen zusammen, die dann dichte Doldenrispen bilden. Besonders auffällig sind die sehr weit aus den Röhrenblüten herausragenden Narben.

Die Blütezeit ist von Juli bis September. Je nach Standort leuchten die Blütenstände in den Farben vom seltenen Weiß über Hellrosa, Rosenrot bis Purpurrötlich. Durch die reichliche Nektarabsonderung riechen sie stark honigartig und werden gerne von Tagfaltern und Bienen besucht und bestäubt. Aber auch als guter Pollenspender ist der Wasserdost bekannt.

Eine begehrte Heilpflanze
Blätter und das starke Wurzelwerk schmecken scharf bitterlich und sind im frischen Zustand leicht giftig! Früher wurde das blühende Kraut zerquetscht und als Umschlag bei Prellungen und Ausschlägen verordnet. Weiterhin wurde es auch zur Wundauswaschung oder als Badezusatz verwendet. Ein kalter Ansatz der getrockneten Blätter und Blüten des Wasserdost wirken harntreibend bei Schnupfen und beginnender Grippe. Auch bei Rheumatismus und Leberschwellungen wird Wasserdost genutzt. Die wirksamen Substanzen sind der Bitterstoff Euparin, sowie verschiedene Gerbstoffe und ätherische Öle, die sich in der Pflanze vor allem in den Wurzeln und Zweigspitzen anreichern.

Vom Winde verweht
Der Wasserdost ist nicht nur eine ausgezeichnete Trachtpflanze, sondern eine schmückende Bereicherung der Landschaft. Als einheimische Staude an die vorherrschenden Bedingungen angepasst, entwickelt sich aus dem vom Winde verbreiteten wolligen Samen an geeigneten Stellen neue Pflanzen.


Text:
Friedrich Schmidtke
Gärtnermeister
Schiltach