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Wasserdost
Eupatorium cannabinum
Korbblüter, Compositae
Reichlicher
Nektarfluss aus Röhrenblüten
Wasserdost ist eine in ganz Europa, Kleinasien und Nordafrika verbreitete
Staude, die im Volksmund auch als "Kunigundenkraut" oder "Hirschklee" betitelt
wird. Letzteres, weil angeschossenes Wild dies Kraut frisst, um sich damit zu
heilen. Weiterhin ist die Bezeichnung "Wasserhanf" gebräuchlich, weil seine
Blätter an Hanfblätter erinnern - worauf auch sein lateinischer Name hindeutet.
Im warmen Kuba wächst ein naher Verwandter, der Gewürzgebende Wasserdost,
Eupatorium aromaticans, der dem dort angebauten Tabak einen würzigen Duft für
die berühmten Havannazigarren verleihen soll. Der Wohlriechende Wasserdost,
Eupatorium odoratum, gedeiht dagegen in ganz Westindien.
Er liebt die Nässe
Unser Wasserdost trägt seinen Namen zu Recht, er ist ein Feuchtigkeitsanzeiger
und liebt nährstoffreiche, kalkhaltige Standorte. Deshalb findet man die bis 1,5
Meter hohe Pflanze entlang von Bächen, in Auwäldern und Kahlschlägen, an Gräben
und auf feuchten Wiesen. Wasserdost wächst auch noch sehr gut im Halbschatten am
Waldrand oder an einem Waldweg. Im Gegensatz zu Goldrute und Balsamine weitet
sich der Wasserdost nicht hemmungslos aus, hält dafür jede Böschung und
verhindert so die Erosion an neu gebauten Wegen.
Nektar und Pollen werden geboten
Die aufrechten Stängel sind rötlich oder braunrot verfärbt und verzweigen sich
erst im oberen Bereich. Die kurzstieligen gegenständigen Blätter sind 3- bis
5-fach gespalten und die Ränder roh gezähnt und leicht wollig. Bei diesem
Korbblütler stehen nur vier bis fünf einzelne Blüten zu einen Köpfchen zusammen,
die dann dichte Doldenrispen bilden. Besonders auffällig sind die sehr weit aus
den Röhrenblüten herausragenden Narben.
Die Blütezeit ist von Juli bis September. Je nach Standort leuchten die
Blütenstände in den Farben vom seltenen Weiß über Hellrosa, Rosenrot bis
Purpurrötlich. Durch die reichliche Nektarabsonderung riechen sie stark
honigartig und werden gerne von Tagfaltern und Bienen besucht und bestäubt. Aber
auch als guter Pollenspender ist der Wasserdost bekannt.
Eine begehrte Heilpflanze
Blätter und das starke Wurzelwerk schmecken scharf bitterlich und sind im
frischen Zustand leicht giftig! Früher wurde das blühende Kraut zerquetscht und
als Umschlag bei Prellungen und Ausschlägen verordnet. Weiterhin wurde es auch
zur Wundauswaschung oder als Badezusatz verwendet. Ein kalter Ansatz der
getrockneten Blätter und Blüten des Wasserdost wirken harntreibend bei Schnupfen
und beginnender Grippe. Auch bei
Rheumatismus und Leberschwellungen wird Wasserdost genutzt. Die wirksamen
Substanzen sind der Bitterstoff Euparin, sowie verschiedene Gerbstoffe und
ätherische Öle, die sich in der Pflanze vor allem in den Wurzeln und
Zweigspitzen anreichern.
Vom Winde verweht
Der Wasserdost ist nicht nur eine ausgezeichnete Trachtpflanze, sondern eine
schmückende Bereicherung der Landschaft. Als einheimische Staude an die
vorherrschenden Bedingungen angepasst, entwickelt sich aus dem vom Winde
verbreiteten wolligen Samen an geeigneten Stellen neue Pflanzen.
Text:
Friedrich Schmidtke
Gärtnermeister
Schiltach