8 Wiesenbärenklau Heradeum sphondyliu
Riesenbärenklau Heradeum montegazzianum
Doldengewächse Apiaceae (Umbeiliferae)
 

Die Doldenblütler sind mit über 2.000 Arten eine sehr große Familie. Dazu zählen schmackhafte Nutzpflanzen wie Sellerie, Petersilie, Fenchel und Möhre, aber auch und der nicht ausrottbare Geißfuß mit seinen langen, unterirdischen Ausläufern. Auch der gefleckte Schierling gehört dazu, mit dessen Gift schon SOKRATES umgebracht wurde. Leider haben diese Pflanzen meist wenig für unsere Bienen zu bieten, da sie oft nicht zur Blüte kommen, sondern vorher geerntet werden.

Wiesenbärenklau
Dagegen interessiert uns Imker der Bärenklau sehr. Er ist ein sehr verbreitetes zwei bis mehrjähriges Samenunkraut. Weitere volkstümliche Bezeichnungen sind: Bärenfuß, Bärentatze, Herkuleskraut, oder Wolfsklau. In manchen Gebieten heißt er Emdstengel, Kuhlatsch oder Ochsenzunge sowie auch Pferde- oder Rosskümmel wegen seiner etwas streng riechenden Samen. Er wächst gerne in Auwäldern, feuchten Wiesen, an Gräben und auf unbebauten Flächen und hat den Vorteil für die Bienen, dass er meist erst nach der Heuernte hoch wächst und blüht und in dieser oft nektar- und pollenarmen Zeit viel an Nektar und etwas Blütenstaub abgibt. Der Bärenklau kann als ausdauernde Staude wachsen oder nach der Blüte und Samenreife des zweiten Jahres absterben.

Die Wurzel ist eine kräftige, rübenförmige weiße Pfahlwurzel. Der hohle Stängel ist stielrund, kantig gefurcht und rauhaarig und verzweigt sich nach oben. Er wird bis 150 cm hoch. Die Blätter sind oft mehrfach gefiedert, meist gelappt und unregelmäßig gezähnt. Die Blattscheiden sind ein wenig bauchig aufgeblasen. Die Blüten sind doppelt bis dreifach doldig, meist weiß, manchmal auch grünlich oder hellrosa farbig. Die Blütezeit ist je nach Höhenlage vom Mai bis Oktober. Die jungen Blätter und Stängel enthalten einen süßlichen Saft, weshalb sie früher nach dem Abschälen der Rinde oft gegessen wurden. Wenn die Stängel älter werden, entwickeln sie eine Schärfe, besonders in der Rinde. Wenn man diese auf die Haut bringt, bilden sich auf dieser ganz schnell Blasen.

Früher wurde bei Durchfall und Ruhr ein Absud vom Bärenklau gegeben.
Besonders erfinderisch waren die Menschen in Polen und Litauen, sie machten aus der Wurzel des Bärenklau ein bierartiges Getränk, "Barsch" genannt, welches für sehr gesund gehalten wurde.

Riesenbärenklau
Nun noch zu einem besonderen Verwandten des Bärenklaus, dem Riesenbärenklau. Er stammt ursprünglich aus dem Kaukasus. Sein Wachstum ist ähnlich wie beim Wiesenbärenklau, nur insgesamt viel mächtiger. Die Blätter haben bis zu über einem Meter Durchmesser. Und auch die Hauptblüte, mit Nektar und Blütenstaub obenauf, hat oft über einen Meter Durchmesser und dazu einige seitliche Blütenstände. Die Pflanze erreicht Höhen bis zu 5 Metern.

Von den ausgefallenen Samen keimt wohl jedes Korn. Bei dieser Pflanze ist es nur vernünftig, Abstand zu halten.
Bis zu fünf Meter hoch wächst der Riesenbärenklau, mit Dolden die bis zu einem Meter im Durchmesser haben.
Schon eine kurze Berührung kann bei empfindlichen Personen zu schlimmen Verätzungen führen. Innerhalb kurzer Zeit bilden sich schmerzhafte Blasen auf der Haut, als wäre man verbrüht oder verbrannt worden. Das gibt es halt auch: "Gut für die Bienen, gefährlich für die Menschen". Achten wir daher in diesem Fall auf unsere und anderer Leute Gesundheit!

Wir Imker sollten die noch vor Jahren gebräuchliche Vermehrung auf keinen Fall weiter betreiben, da zu viele Gefahren von dieser Pflanze ausgehen. Wenn Mitglieder von Naturschutzverbänden mit dem Anliegen an uns herantreten, an bestimmten Stellen Bestände des Riesenbärenklaus zu beseitigen, so sollten wir dafür offen sein! Beseitigen lässt sich die zweijährige Pflanze am besten durch Abhacken der aufblühende Blütenstände. Auch mehrfaches Aushacken der tiefen, kräftigen Wurzel beim Austrieb im Frühjahr führt zum Erfolg.


Text:
Friedrich Schmidtke
Gärtnermeister
Schiltach

Veröffentlicht in: Allgemeine Deutsche Imkerzeitung (ADIZ), 30. Jahrgang, 1996, Heft 9, Seite 32