Die
Doldenblütler sind mit über 2.000 Arten eine sehr große Familie. Dazu zählen
schmackhafte Nutzpflanzen wie Sellerie, Petersilie, Fenchel und Möhre, aber auch
und der nicht ausrottbare Geißfuß mit seinen langen, unterirdischen Ausläufern.
Auch der gefleckte Schierling gehört dazu, mit dessen Gift schon SOKRATES
umgebracht wurde. Leider haben diese Pflanzen meist wenig für unsere Bienen zu
bieten, da sie oft nicht zur Blüte kommen, sondern vorher geerntet werden.
Wiesenbärenklau
Dagegen interessiert uns Imker der Bärenklau sehr. Er ist ein sehr verbreitetes
zwei bis mehrjähriges Samenunkraut. Weitere volkstümliche Bezeichnungen sind:
Bärenfuß, Bärentatze, Herkuleskraut, oder Wolfsklau. In manchen Gebieten heißt
er Emdstengel, Kuhlatsch oder Ochsenzunge sowie auch Pferde- oder Rosskümmel
wegen seiner etwas streng riechenden Samen. Er wächst gerne in Auwäldern,
feuchten Wiesen, an Gräben und auf unbebauten Flächen und hat den Vorteil für
die Bienen, dass er meist erst nach der Heuernte hoch wächst und blüht und in
dieser oft nektar- und pollenarmen Zeit viel an Nektar und etwas Blütenstaub
abgibt. Der Bärenklau kann als ausdauernde Staude wachsen oder nach der Blüte
und Samenreife des zweiten Jahres absterben.

Die Wurzel ist eine kräftige, rübenförmige weiße Pfahlwurzel. Der hohle Stängel
ist stielrund, kantig gefurcht und rauhaarig und verzweigt sich nach oben. Er
wird bis 150 cm hoch. Die Blätter sind oft mehrfach gefiedert, meist gelappt und
unregelmäßig gezähnt. Die Blattscheiden sind ein wenig bauchig aufgeblasen. Die
Blüten sind doppelt bis dreifach doldig, meist weiß, manchmal auch grünlich oder
hellrosa farbig. Die Blütezeit ist je nach Höhenlage vom Mai bis Oktober. Die
jungen Blätter und Stängel enthalten einen süßlichen Saft, weshalb sie früher
nach dem Abschälen der Rinde oft gegessen wurden. Wenn die Stängel älter werden,
entwickeln sie eine Schärfe, besonders in der Rinde. Wenn man diese auf die Haut
bringt, bilden sich auf dieser ganz schnell Blasen.
Früher wurde bei Durchfall und Ruhr ein Absud vom Bärenklau gegeben.
Besonders erfinderisch waren die Menschen in Polen und Litauen, sie machten aus
der Wurzel des Bärenklau ein bierartiges Getränk, "Barsch" genannt, welches für
sehr gesund gehalten wurde.
Riesenbärenklau
Nun noch zu einem besonderen Verwandten des Bärenklaus, dem Riesenbärenklau. Er
stammt ursprünglich aus dem Kaukasus. Sein Wachstum ist ähnlich wie beim
Wiesenbärenklau, nur insgesamt viel mächtiger. Die Blätter haben bis zu über
einem Meter Durchmesser. Und auch die Hauptblüte, mit Nektar und Blütenstaub
obenauf, hat oft über einen Meter Durchmesser und dazu einige seitliche
Blütenstände. Die Pflanze erreicht Höhen bis zu 5 Metern.
Von den ausgefallenen Samen keimt wohl jedes Korn. Bei dieser Pflanze ist es nur
vernünftig, Abstand zu halten.
Bis zu fünf Meter hoch wächst der Riesenbärenklau, mit Dolden die bis zu einem
Meter im Durchmesser haben.
Schon eine kurze Berührung kann bei empfindlichen Personen zu schlimmen
Verätzungen führen. Innerhalb kurzer Zeit bilden sich schmerzhafte Blasen auf
der Haut, als wäre man verbrüht oder verbrannt worden. Das gibt es halt auch:
"Gut für die Bienen, gefährlich für die Menschen". Achten wir daher in diesem
Fall auf unsere und anderer Leute Gesundheit!
Wir Imker sollten die noch vor Jahren gebräuchliche Vermehrung auf keinen Fall
weiter betreiben, da zu viele Gefahren von dieser Pflanze ausgehen. Wenn
Mitglieder von Naturschutzverbänden mit dem Anliegen an uns herantreten, an
bestimmten Stellen Bestände des Riesenbärenklaus zu beseitigen, so sollten wir
dafür offen sein! Beseitigen lässt sich die zweijährige Pflanze am besten durch
Abhacken der aufblühende Blütenstände. Auch mehrfaches Aushacken der tiefen,
kräftigen Wurzel beim Austrieb im Frühjahr führt zum Erfolg.
Text:
Friedrich Schmidtke
Gärtnermeister
Schiltach
Veröffentlicht in: Allgemeine Deutsche Imkerzeitung (ADIZ), 30. Jahrgang, 1996,
Heft 9, Seite 32