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Johanniskraut
Hypericum perforatum
Johanniskrautgewächse
Hypericaeae (Guttiferae)
Eine
Pflanze mit vielen volkstümlichen Namen wie Tüpfeljohannis, Konrads- und
Sonnwendkraut. In anderen Regionen heißt es Hartheu, Stolzer Heinrich,
Liebfrauenbettstroh oder Löcher, Wund- und Fieberkraut. Im Mittelalter wurde es
Johannisblut und Hexenkraut genannt und sollte helfen, Hexen zu bannen. Noch
heute darf das Johanniskraut bei der Kräuterweihe der Katholischen Kirche im
"Kräuterbüschel" nicht fehlen. Die Namen Sonnwend- und Johanniskraut trägt es,
weil sein Blühbeginn auf die Zeit der Sonnenwende um den 24. Juni, den
Johannistag, fällt. Jedoch blüht es in höheren Lagen auch bis in den August
hinein und ist dabei bis auf 1.400 Meter ü. M. noch anzutreffen.
Die kräftige, ausdauernde Staude mit ihrem stark verzweigten Wurzelstock und den
spindelförmigen Wurzeln wird zwischen 25 und 90 cm hoch. Johanniskraut wächst
gerne an Weg, Acker- und Waldrändern, aber auch auf Hängen, Waldlichtungen und
aufgelassenen Flächen. Es bevorzugt sonnige, trockene Standorte mit mageren
Böden, gedeiht aber nach einem sehr trockenen Frühjahr besser an den
schattigeren Stellen.
Nach oben verzweigen sich die derben, aufrechten Stengel stark zu reich
blühenden Trugdolden. Die gegenständigen Blätter sind klein und eiförmig und in
Richtung der Pflanzenspitze stärker mit schwarzen Punkten getüpfelt. Diese gaben
dem Johanniskraut seinen zweiten lateinischen Namen "perforatum", den es jedoch
zu Unrecht trägt. Er bedeutet "durchlöchert". Doch die schwarzen Stellen auf den
Blättern sind keine Löcher, sondern durchscheinende Drüsen. Sie sind gefüllt mit
einem ätherischen Öl, dem Hypericin. Dieses blutrote Öl tritt auch hervor, wenn
man die goldgelben Blüten mit ihren fünf Kelch- und Kronblättern und den
zahlreichen bräunlichen Staubfäden zwischen den Fingern zerreibt. Zusätzlich
enthält die Pflanze weitere Gerbstoffe und Flavonoide.
Die bis 25 mm großen Blüten bringen für unsere Bienen zwar keinen Nektar, da die
Pflanze keine Nektarien besitzt, aber auch noch nach dem Heuschnitt viel
goldgelben Blütenstaub. Dieser enthält bis zu 27 % Roheiweiß und wird schon in
aller Frühe bis zum Mittag von den Bienen gesammelt.
Für unsere Gesundheit sammeln wir Johanniskraut bei trockenem Wetter am
Nachmittag ab 16.00 Uhr, dann ist der Hypericingehalt am höchsten. Man schneidet
das blühende Kraut 15 bis 20 cm von oben herab ab. Danach wird es luftig im
Schatten getrocknet und dann mit Sonnenblumen- oder Olivenöl angesetzt und über
mehrere Wochen an einem sonnigen Pl
atz
aufgestellt. Das Öl färbt sich dunkelrot und wird dann abgegossen. Achtet man
darauf, dass das Restwasser, welches sich unten in der Flasche sammelt,
zurückbleibt, ist das Öl lange Zeit haltbar. Wir verwenden es bei Verbrennungen,
Verbrühungen. Als Einreibung bei Rheuma, mit etwas Zucker auf einem Löffel auch
gegen Magenbeschwerden.
Genauso gut kann man es als Salbe zubereiten. Dazu das getrocknete Kraut lange
in einem neutralen Fett köcheln 1assen. Dies ergibt eine Salbe gegen schlecht
heilende Wunden oder Sonnenbrand.
Als Tee eignet sich Johanniskraut besonders als Aufheller gegen Depressionen und
bei vielen anderen Krankheiten. Aber mit einer Einschränkung: wer im heißen
Sommer viel Johanniskraut trinkt, sollte sich vor direkter Sonnenbestrahlung
schützen. Das Hypericin bewirkt eine Photosensibilisierung der Haut, das heißt,
man wird gegen Sonne empfindlich und bekommt schnell Sonnenbrand. Mit
Johanniskrautsalbe ist der jedoch schnell wieder weg, wenn man sich danach nicht
wieder der direkten Sonne aussetzt.
Es gibt wenige so vielseitig nützliche Pflanzen wie das Johanniskraut: vermehren
wir es! Einfach den feinen, rötlich glänzenden Samen nach der Reife im September
an mageren Stellen dünn aussäen und nach zwei Jahren blüht die Pflanze in voller
Pracht.
Text:
Friedrich Schmidtke
Gärtnermeister
Schiltach
Veröffentlicht in: Allgemeine Deutsche Imkerzeitung (ADIZ), 30. Jahrgang, 1996,
Heft 8, Seite 34