7 Johanniskraut
Hypericum perforatum
Johanniskrautgewächse
Hypericaeae (Guttiferae)
 

Eine Pflanze mit vielen volkstümlichen Namen wie Tüpfeljohannis, Konrads- und Sonnwendkraut. In anderen Regionen heißt es Hartheu, Stolzer Heinrich, Liebfrauenbettstroh oder Löcher, Wund- und Fieberkraut. Im Mittelalter wurde es Johannisblut und Hexenkraut genannt und sollte helfen, Hexen zu bannen. Noch heute darf das Johanniskraut bei der Kräuterweihe der Katholischen Kirche im "Kräuterbüschel" nicht fehlen. Die Namen Sonnwend- und Johanniskraut trägt es, weil sein Blühbeginn auf die Zeit der Sonnenwende um den 24. Juni, den Johannistag, fällt. Jedoch blüht es in höheren Lagen auch bis in den August hinein und ist dabei bis auf 1.400 Meter ü. M. noch anzutreffen.

Die kräftige, ausdauernde Staude mit ihrem stark verzweigten Wurzelstock und den spindelförmigen Wurzeln wird zwischen 25 und 90 cm hoch. Johanniskraut wächst gerne an Weg, Acker- und Waldrändern, aber auch auf Hängen, Waldlichtungen und aufgelassenen Flächen. Es bevorzugt sonnige, trockene Standorte mit mageren Böden, gedeiht aber nach einem sehr trockenen Frühjahr besser an den schattigeren Stellen.

Nach oben verzweigen sich die derben, aufrechten Stengel stark zu reich blühenden Trugdolden. Die gegenständigen Blätter sind klein und eiförmig und in Richtung der Pflanzenspitze stärker mit schwarzen Punkten getüpfelt. Diese gaben dem Johanniskraut seinen zweiten lateinischen Namen "perforatum", den es jedoch zu Unrecht trägt. Er bedeutet "durchlöchert". Doch die schwarzen Stellen auf den Blättern sind keine Löcher, sondern durchscheinende Drüsen. Sie sind gefüllt mit einem ätherischen Öl, dem Hypericin. Dieses blutrote Öl tritt auch hervor, wenn man die goldgelben Blüten mit ihren fünf Kelch- und Kronblättern und den zahlreichen bräunlichen Staubfäden zwischen den Fingern zerreibt. Zusätzlich enthält die Pflanze weitere Gerbstoffe und Flavonoide.

Die bis 25 mm großen Blüten bringen für unsere Bienen zwar keinen Nektar, da die Pflanze keine Nektarien besitzt, aber auch noch nach dem Heuschnitt viel goldgelben Blütenstaub. Dieser enthält bis zu 27 % Roheiweiß und wird schon in aller Frühe bis zum Mittag von den Bienen gesammelt.

Für unsere Gesundheit sammeln wir Johanniskraut bei trockenem Wetter am Nachmittag ab 16.00 Uhr, dann ist der Hypericingehalt am höchsten. Man schneidet das blühende Kraut 15 bis 20 cm von oben herab ab. Danach wird es luftig im Schatten getrocknet und dann mit Sonnenblumen- oder Olivenöl angesetzt und über mehrere Wochen an einem sonnigen Platz aufgestellt. Das Öl färbt sich dunkelrot und wird dann abgegossen. Achtet man darauf, dass das Restwasser, welches sich unten in der Flasche sammelt, zurückbleibt, ist das Öl lange Zeit haltbar. Wir verwenden es bei Verbrennungen, Verbrühungen. Als Einreibung bei Rheuma, mit etwas Zucker auf einem Löffel auch gegen Magenbeschwerden.

Genauso gut kann man es als Salbe zubereiten. Dazu das getrocknete Kraut lange in einem neutralen Fett köcheln 1assen. Dies ergibt eine Salbe gegen schlecht heilende Wunden oder Sonnenbrand.

Als Tee eignet sich Johanniskraut besonders als Aufheller gegen Depressionen und bei vielen anderen Krankheiten. Aber mit einer Einschränkung: wer im heißen Sommer viel Johanniskraut trinkt, sollte sich vor direkter Sonnenbestrahlung schützen. Das Hypericin bewirkt eine Photosensibilisierung der Haut, das heißt, man wird gegen Sonne empfindlich und bekommt schnell Sonnenbrand. Mit Johanniskrautsalbe ist der jedoch schnell wieder weg, wenn man sich danach nicht wieder der direkten Sonne aussetzt.

Es gibt wenige so vielseitig nützliche Pflanzen wie das Johanniskraut: vermehren wir es! Einfach den feinen, rötlich glänzenden Samen nach der Reife im September an mageren Stellen dünn aussäen und nach zwei Jahren blüht die Pflanze in voller Pracht.


Text:
Friedrich Schmidtke
Gärtnermeister
Schiltach

Veröffentlicht in: Allgemeine Deutsche Imkerzeitung (ADIZ), 30. Jahrgang, 1996, Heft 8, Seite 34