3 Beinwell
Wallwurz
Symphytum officinale
Borretschgewächse Boraginaceae

 

Schon im Altertum wurde der Beinwell verwendet bei den Griechen. Der Name Symphytum ist abgeleitet von symphein, das bedeutet zusammenwachsen. Die gleiche Aussage ist auch in der deutschen Sprache mit dem Wort wallen und überwallen. Auch die Römer führten diese Pflanze auf ihren Feldzügen mit.

Beinwell ist eine Staude mit einem ästigen Wurzelstock, die Wurzel hat eine dunkle Binde und ein fast weißes schleimhaltiges Wurzelfleisch. Die Blätter und Stengel sind rauhhaarig und sie treiben Im April zum ersten Mal durch und blühen ab Mai. Durch den ganzen Sommer bis September kommen immer wieder neue Stengel mit vielen Blüten. So ist der Beinwell eine beständige Trachtpflanze. Die Blütenfarbe ist meist rötlich violett" es gibt sie aber auch von weiß bis dunkelblau. Auch andere Beinwellarten sind regional verbreitet, zum Beispiel S.asperum, S.peregrinum, S.caucasicum mit seinen erst roten , dann blauen Blüten.
 

Interessant ist die Bestäubung: für die Bienen ist der Nektar erst zu holen , wenn eine Hummel die meist um 14 mm lange Blüte oben aufgebissen und den ersten Nektar geerntet hat. Jede Blüte bringt bis 4 Tage lang Nektar und die Bienen bedienen sich durch das von der Hummel gebissene Loch. Die Vermehrung ist ganz einfach , ein daumengroßes Wurzelstück wird in die Erde gelegt und nach 2 Jahren schon ist eine starke Pflanze entstanden. Beinwell mag feuchte Standorte , Gräben, Ufer, Halbschatten zur besten Entwicklung. Der Beinwell ist so vielseitig , er kann auch zur Düngung bei Kaliummangel genommen werden. 1 Kilo Kraut auf l0 Liter Wasser. Nach 5-7 Tagen wird verdünnt mit Wasser 1:l0 und damit gegossen. Die Blätter und Stengel eignen sich auch gut als Mulch zwischen Tomaten und werden dort mit Gras oder Rasenschnitt zugedeckt.

Früher wurde auch das Kraut für Arzneimittel verwendet, heute wird nur noch die Wurzel verarbeitet als Umschlag bei Quetschungen , Prellungen, Verstauchungen mit bestem Erfolg . In dieser Pflanze sind Schleim, Gerbstoffe, Allentoin , Alkaloide. Vielfach finden wir den Beinwell noch In Bauerngärten. Das Laub wurde früher regelmäßig an die Schweine verfüttert, denn beim Schwein ist ein Missverhältnis zwischen Körpergewicht und Knochenbau, Auf diese Art wurde und wird auch heute noch bei den Schweinen ein Knochenbruch vermieden. Und ich möchte mal eine Wanderung erleben , auf der ich keinen Beinwell finde.


Text von:
Friedrich Schmidtke
Gärtnermeister
Schiltach
Veröffentlicht in:
Allgemeine Deutsche Imkerzeitung (ADIZ), 28. Jahrgang, 1994, Heft 6, Seite 31