
Heute werden viele landwirtschaftliche Flächen in
schattigen Hanglagen nicht mehr bewirtschaftet. Sie sollten nicht verwildern und
mit Gebüsch zuwachsen. Hier können wir gezielt Bienenweide ausbringen und dazu
eignet sich die Engelwurz. Ihre Heimat ist Nord- und Osteuropa bis hin nach
Sibirien. Dort wird sie auch als Gemüse verwendet. Engelwurz gedeiht am besten
auf tiefgründigem, feuchten Boden. Oft sieht man sie in Waldlichtungen und an
halbschattigen Waldrändern.
Diese Pflanze ist zweijährig bis ausdauernd. Im ersten Jahr bringt sie zarte
hellgrüne Blätter mit bis zu 90 cm Durchmesser. Im zweiten oder einem folgenden
Jahr wächst Engelwurz zeitig im Frühjahr hoch mit einem hohlen, feingerippten
Stengel. Die Blütezeit ist Juni bis August, wenn auf den Wiesen das Angebot für
die Bienen durch die Heuernte knapp geworden ist.
Jede der grünlich-weißen oder gelblichen Blüten ist auf einer bis 40-strahligen
zusammengesetzten Dolde. Der helle Nektar liegt oben auf und wird von Bienen
gerne gesammelt. Eine Dolde mit mehr als 10 Bienen ist keine Seltenheit. Nach
der Blüte stirbt die Pflanze mit der Samenreife ab. Der Samen ist nur kurze Zeit
keimfähig, muss also baldigst, vielleicht schon am Erntetag, an feuchten,
halbschattigen Stellen dünn ausgesät werden.

Im Anbau ist nur die Echte Engelwurz, die bis 4 Meter hoch wächst. Sie hat auch
mehr Inhaltsstoffe wie die Waldengelwurz: ätherische Öle, Bitterstoffe,
Gerbstoffe, Harz, organische Säuren. Als Drogen werden Wurzeln, Blatt, Blüten
und Frucht verwendet. Die Erntezeit ist Mai - Juni. Engelwurz hat einen würzigen
Geruch und einen bitteren Geschmack. Engelwurz wirkt bei Appetitlosigkeit,
Darmkatarrh, Blähungen und Völlegefühl als Tee. Sie ist Bestandteil vieler
Liköre. Die Konditoreien nehmen gern kandierte junge Blattstengel zum Garnieren
von Torten. Eine leichte Aufgabe, Engelwurz zu vermehren!
Text von: Friedrich Schmidtke
Gärtnermeister
Schiltach
Veröffentlicht in:
Die Biene, Oktober 1995, Heft 10, Seite 39. (Adiz)